Koloniale Grüße einer Reisenden Teil 1

Aktualisiert: Jan 26


„Es ist schwieriger, ein Vorurteil zu zerstören als ein Atom.“


ALBERT EINSTEIN



Warum reisen wir eigentlich? Welches vermeintliche Wissen wird von uns unreflektiert übernommen? Welche Bilder sind in unseren Köpfen vorherrschend und steuern unsere Wahrnehmungen? Mit welchen Vorurteilen und Vorannahmen begegnen wir „anderen“ Menschen? Durch welchen Filter sehen wir die Welt, was blenden wir aus und worauf richten wir unsere Lupe?


Das, was fotografiert wird oder worüber berichtet wird, ist immer ein Teil der Realität des jeweilig handelnden Individuums. Dabei wird häufig vergessen, dass dies allerdings nur ein kleiner Ausschnitt des bereisten Landes ist – wahrgenommen aus einem subjektiven und gesellschaftlich geprägten Blick. Die Beziehung zum Globalen Süden ist maßgeblich durch das Erbe des europäischen Kolonialismus geformt (kulturell, politisch und ökonomisch). Durch die vorherrschende Gesellschaft, ihre Geschichte und soziale Stellung lernt das Individuum, andere Gesellschaften und Menschen auf eine gewisse Art wahrzunehmen und ihnen entsprechend zu begegnen. Es sollen vor allem viele Fragen aufgeworfen werden – Fragen, die möglicherweise gar nicht zu beantworten sind, die vielleicht eher zum Perspektivwechsel und zum „Bewusst-machen“ anregen sollen.


Folgende Beiträge beschäftigen sich insbesondere mit der Frage, wie Rassismus funktioniert und wie wir Orte und Menschen darstellen, die sich wesentlich von uns unterscheiden. Auch wenn die Genetik es schon lange bewiesen hat, dass es keine menschlichen „Rassen“ gibt, so hat sich doch die Idee der „Rasse“ regelrecht in den Köpfen der Menschen eingenistet und verfestigt. Die Gesellschaft ist also durch die Idee der „Rasse“ geformt, was sich insbesondere im Handeln und Denken ausdrückt. Weiters soll aufgegriffen bzw. veranschaulicht werden, inwiefern wir selbst in rassistischen Verstrickungen (unbewusst) verhaftet sind. Der Kontinent Afrika nimmt hierbei eine zentrale Rolle ein. Welche Stereotypisierungen und Klischees über Afrika werden durch Medien, Berichte und Bilder transportiert und verfestigt? Mit welchen vorgefertigten Vorstellungen vom Globalen Süden reisen wir eigentlich?


Das Gedankenpopkorn gliedert sich in mehrere Teile. Als Einstieg in die Thematik wird das „vermeintliche“ Bild von Afrika genauer unter die Lupe genommen. Stereotype über Afrika und die Gefahr der einen einzigen Geschichte über Personen und Gesellschaften werden umfassend dargelegt. Im zweiten Teil wird die Funktionsweise des Rassismus unter Einbezug wesentlicher „Schlüsselelemente“ wie die gesellschaftlich politische Bezeichnung des Weißseins und die Geschichte des europäischen Kolonialismus erörtert. Dieser theoretische Input ist vor allem für das Verständnis des Beitrages Die Macht der Bilder von wichtiger Relevanz. Dieses Kapitel verknüpft den theoretischen Hintergrund mit dem bis heute stattfindenden gesellschaftlichen Diskurs des „kolonialistischen Überlegenheitsgefühls“ und inwiefern sich dieses rassisch-koloniale Denken in der Öffentlichkeit, Medien, Berichten und Bildern zeigt und fortwährt. Der letzte Teil der Beitragsserie stellt mein persönliches Resümee dar, wobei meine Reiseerfahrungen im Hinblick des eigenen Weißseins reflektiert und kritisch beleuchtet werden.


Dieses Thema liegt mir persönlich sehr am Herzen und ich freue mich über euer Interesse. Meine Beiträge können vielleicht Irritationen oder auch in gewisser Weise ein Unverständnis oder/und ein Unwohlsein auslösen. Ich möchte keinesfalls eine "Reisespaßverderberin" sein, sondern auf ungleiche Verhältnisse aufmerksam machen und vermeintliche Normalitäten sowie vermeintliches Wissen versuchen aufzubrechen. Auch durch das Schreiben und Lesen kann eine Menge bewegt werden - so wie Ruth Ginsberg sagt:

Fight for the things you care about, but do it in a way that will lead others to join you.

Ich freue mich darauf, etwas in euch bewegen zu dürfen. Eure Claudia.

Verwendete Literatur:

Glokal e.V., 2013: Mit kolonialen Grüßen… Berichte und Erzählungen von Auslandsaufenthalten rassismuskritisch betrachtet. 2. Überarbeitete Auflage.


Ergün, Mutlu (o.J.): Von den Bildern in unseren Köpfen. Was uns Weiß macht, macht was aus uns, S. 10-11.





© Generation Wir

Claudia Anzinger

info@generation-wir.com

  • White Facebook Icon
  • White Pinterest Icon
  • White Instagram Icon
Newsletter von MIR zu DIR zum WIR